04 Sep. Mit Campervan und Boot nach Lappland
Ein lautes Klatschen durchbricht die arktische Stille, als die Rute sich plötzlich bis ins Handteil biegt und ihnen klar wird, dass das ein wirklich großer Hecht ist. Als Bootsverleiher im südschwedischen Växjö habe ich schon viele Geschichten gehört. Aber was die drei Jungs aus Hamburg mit meinem Uttern 425 auf ihrer Fahrt durch das südliche Lappland bis nach Norwegen erlebt haben, ist fantastisch.
Hier ist die ganze Geschichte, direkt aus meiner Perspektive:
Der Start in Växjö: Übergabe des Bootes
Wenn Mieter eine so weite Strecke mit dem Campervan vor sich haben, prüfe ich den Trailer, den Außenborder und den Frontmotor sehr genau. Trotzdem war ich etwas unsicher: 3000 Kilometer, davon etliche auf den rauen Schotterpisten im Norden. Deswegen suchte ich noch die Adressen von Bootswerkstätten rund um Arjeplog heraus. Es gibt ein paar. Glücklicherweise mussten sie nicht besucht werden. Nach einer ausführlichen Einweisung hängten wir das Boot an ihren Camper. Mit dem Dachzelt und dem Trailer im Schlepptau hatten sie ein Stück Freiheit im Gepäck. Als das Gespann vom Hof rollte, dachte ich: „Nehmt mich mit!“

Der erste Stopp nach der langen Fahrt nach Norden war die Region um Arjeplog, das Tor zur arktischen Wildnis. Das Ziel: ein fast unberührter See, dessen Koordinaten ich versprochen habe, nicht herauszugeben. Über eine unwegsame Naturrampe rutschte mein Boot in das Wasser. Spannenderweise waren die drei nicht allein. Zwei Teamangler eines skandinavischen Angelgeräteherstellers waren auf dem See und fragten verwundert, woher ihnen dieser See bekannt sei. Das erklärt vermutlich auch ein bisschen, was sich in den nächsten vier Tagen abspielte.
Die Hechte wurden nicht gezählt, aber neben zahlreichen schönen Fischen haben die drei beim Werfen mit Jerks und verschiedenen Gummiködern sechs Hechte jenseits der Metermarke fangen können. Beim größten Hecht zeigte das Maßband 1,17 Meter! Ein Ausnahmehecht, der den Jungs die derzeitige Führung bei unserem alljährlichen Mieter-Angelturnier einbrachte. Außerdem war der See ein extrem gutes Barschgewässer. Barsche bis 43 Zentimeter bissen im Minutentakt und nur einige, wenige dieser wunderschönen Fische wurden abends gegrillt.


Nach einigen Tagen ging die Reise weiter zu den wilden Strömen Lapplands: dem Laisälven und dem Piteälven. Angeln mit Wathose im glasklaren Wasser. Extrem kleine Gummis, aber auch Wobbler und Blinker brachten Äschen bis 45 cm, aber auch Hechte und Barsche. Im August herrscht in Lappland noch Hochsommer. Mir wurde von langen Abenden am Wasser erzählt, von Lagerfeuern und einer Sonne, die nur kurz hinter dem Horizont verschwand. Aber auch von Tagestemperaturen von nur 8 Grad Celsius.
Auf der letzten Etappe der Fahrt wurde mein Boot dann nach Norwegen überführt und durfte zwei Tage lang die Gewässer des Saltstraumens befahren. Der stärkste Gezeitenstrom der Welt ist bekannt für seinen tollen Fischbestand. Entsprechend gut besucht waren die kleinen Städte am Saltfjorden – ein kleiner Zivilisationsschock nach den endlosen, menschenverlassenen Weiten Lapplands. Aber das hat natürlich einen Grund: Die Landschaft am Saltfjorden ist fantastisch und das Angeln ein Traum für Meeresangler. Kräftige, goldglänzende Pollacks und dicke, bullige Dorsche lieferten an der Spinnrute aufregende Drills in der Strömung. Doch der Höhepunkt stand noch aus: Ein Biss, der die Bremse surren ließ. Ein Heilbutt, der mit aller Macht versuchte, am Grund zu bleiben. Nach einem spannenden Drill kam der Heilbutt an die Wasseroberfläche. Der krönende Schlusspunkt einer sehr schönen Reise.


Als das Gespann ein paar Tage später wieder bei mir in Växjö auf den Hof fuhr, war ich erleichtert: Mannschaft, Boot und Trailer waren wohlauf – gezeichnet von den Strapazen der Reise und begleitet vom Geruch unzähliger Fische. Sie bauten ihr Lager noch einmal bei mir im Garten auf und erzählten mir diese Geschichte: Von der skandinavischen Wildnis, dem Campervan, dem Boot und dem Gefühl der Freiheit.

