08 März Hechte und Robben in der Ostsee
Eine aktuelle Langzeitstudie der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften (SLU) und der Stockholmer Bezirksverwaltung zeigt, dass die Anwesenheit von Robben nur einen geringen Einfluss auf den Hechtbestand hat, aber dass die Anwesenheit von Robben trotzdem folgen für den Angler und das natürliche Gleichgewicht hat.
Wegen des zurückgehenden Hechtbestands in der Ostsee wurden mehrere Buchten während der Laichzeit unter Schutz gestellt. In einer dieser Buchten wurden über 6 Jahre eine Studie durchgeführt, bei der gezielt Hechte geangelt wurden. In den ersten drei Jahren blieben die Fangzahlen konstant, doch als im vierten Jahr Robben in der Bucht gesichtet wurden, brachen die Fangzahlen massiv ein – obwohl der Hechtbestand kaum sank. „Die Hechte ändern bei Anwesenheit von Robben sofort ihr Verhalten. Sie werden extrem scheu“, erklärt Konrad Karlsson von der SLU (Sveriges lantbruksuniversitet). Sobald ein spezieller „Robbenzaun“ den Zugang versperrte, kehrten die Hechte zu ihrem normalen Verhalten zurück und bissen wieder an.
In den sechs Jahren, in denen die Studie durchgeführt wurde, lag die durchschnittliche Anzahl der Hechte über 42 Zentimeter in der Bucht bei 2449.
Eine Methode, um die Größe einer Hechtpopulation zu berechnen ist die Fang-Wiederfang-Methode. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Hecht während der Untersuchung mindestens einmal gefangen wird, wird dann in Relation zur Anzahl der gefangenen Hechte gesetzt. So lässt sich auch die Anzahl der nicht gefangenen Hechte und die Populationsgröße ermitteln.In dem Jahr, in dem Robben in der Bucht gesichtet wurden, sank die Zahl um etwa 193 Hechte, aber der Gesamtbestand an Hechten in der Bucht sank nicht im gleichen Maße wie die Fänge der Hauptgrund für die geringeren Fangergebnisse war vielmehr die Verhaltensänderung der Hechte.
Die Verhaltensveränderung hat Folgen für die Ostsee, denn ein passiver Hecht erfüllt seine Rolle als Spitzenprädator nicht mehr. Das führt zu einer Kettenreaktion:
- Weniger Hecht-Jagd bedeutet mehr Weißfische.
- Mehr Weißfische fressen die Kleinstlebewesen, die Algen kontrollieren.
- Die Folge ist eine verstärkte Eutrophierung (Überdüngung) und Sauerstoffmangel.
Auffällig war auch der Mangel an großen Hechten. Von den 545 gefangenen Hechten maß der größte nur 97 Zentimeter. Dieser Trend zu weniger großen Hechten ist generell in der Ostsee zu beobachten.
Der Mangel an großen Hechten wird auch auf hohen Angeldruck zurückgeführt:
Studien zeigen eine langfristige Sterblichkeitsrate von etwa 10 % bei gefangenen und wieder freigelassenen Fischen. Bei den Testangeltouren wurde schätzungsweise ein Prozent des Bestandes in einer vierstündigen Session mit zwei Anglern gefangen. Angesichts des Angeldrucks im Archipel bedeutet dies, dass ein beträchtlicher Teil des Bestandes gefangen wird und dass die Sportfischerei die Bestände beeinflusst. Besonders, da vor allem die risikofreudigeren Hechte gefangen werden. Gerade diejenigen, die mehr fressen und schneller wachsen, könnten große Exemplare werden, wenn man ihnen die Chance dazu gäbe.
Den vollständigen Forschungsbericht zur Interaktion zwischen Kegelrobben und Küstenfischen können Sie im Fachmagazin Ecology and Evolution nachlesen.

