04 Sep. Angelkajaks mit Pedalantrieb: Lautlos zum Hecht
Die Wellen des schwedischen Helgasjön brechen sich leise an den Schilfkanten, weit über mir zieht der Fischadler seine Kreise, während ich meinen Rapala Super Shadow Rap mit etwa 3,5 km/h eine Kante entlangschleppe, an der der Grund des Sees von 4 auf 8 Meter abfällt. Auf diese Weise hat schon mancher Spotwechsel Erfolg gebracht. Mit dem Shadow Rap habe ich in den letzten Jahren sehr viele kapitale Hechte gefangen. Die Lauftiefe ist geschleppt etwa 2 Meter und wie meistens habe ich heute ein 15-Gramm-Gewicht in die Schnur eingehängt, sodass der Wobbler zwischen 3 und 4 Metern läuft, denn dort erwarte ich die Hechte. Natürlich könnte ich noch eine zweite Rute fertig machen, aber das ist nicht nötig. Ich liebe es, mit einer Rute in der Hand zu schleppen und den Köder dort vorbeizuführen, wo ich den Hecht erwarte. Die Geschwindigkeit von 3,5 km/h zu halten, bereitet mit dem Pedalantrieb keinerlei Anstrengung. Das Bild auf dem Echolot zeigt, dass die Kante hier langsam abfällt; die großen Steine und die Fischsicheln auf dem Bildschirm sind eindeutig. Dann der Biss.
Man kann Strecke machen und die Kanten zu den tiefen Becken abschleppen, die Plateaus ansteuern oder sich Spots wie Schilfkanten, Seerosenfeldern und im Wasser liegenden Bäumen lautlos nähern. Durch den Propellerantrieb und durch die Seitensteuerung kann man exakt in alle vier Richtungen navigieren, die Position einfach anpassen und sich perfekt zu dem jeweiligen Spot positionieren. Trotz der leicht erhöhten Sitzposition fühlt man sich mit den Elementen verbunden, man hört den Wind über das Wasser streichen und den Flügelschlag der am Himmel vorüberziehenden Gänse.
Man hat weniger Platz als auf einem Boot, aber tatsächlich sitzt man gemütlicher als auf der Sitzbank eines einfachen Angelbootes und es gibt Platz genug, um ausreichend Ausrüstung mitzunehmen.
Das schwedische Angelkajak Angler 365, auf dem ich sitze, ist außerdem mit Rutenhaltern, einem Anker und einem Echolot ausgestattet. Es liegt stabil auf dem Wasser – man kann ohne Weiteres im Stehen fischen – und man erreicht ohne Anstrengung eine Fahrtgeschwindigkeit von 5–6 km/h (zum Vergleich: Ein 4 Meter langes GFK-Boot mit 5–6 PS erreicht mit 2 Mann in der Regel 8–10 km/h). Wenn man auf die Windkarte schaut, sind auf dem Angler 365 Windgeschwindigkeiten von 0–2 Bft (bis 11 km/h) optimal zum Fahren, 3 Bft (bis 19 km/h) gut machbar und ab 4 Bft (bis 28 km/h) wird es wackelig. Darüber würde ich Anfängern nicht empfehlen, mit einem Angelkajak unterwegs zu sein. Damit verträgt das Angelkajak etwa 1 Beaufort weniger als ein GFK-Boot mit 5 PS, mit dem 5 Beaufort noch machbar und fahrbar sind. Mir macht das Angeln mit den Kajaks so viel Freude, dass ich davon überzeugt bin, dass es Sinn macht, diese in unseren Bootsverleih mit aufzunehmen. Die Kajaks sind intuitiv zu steuern und lassen einen das Angeln aus einer weiteren tollen Perspektive erleben.

