10 März Die Boxen sortiert, die Ruten bereit…
Eigentlich verlässt es einen nie, aber im Februar und im März wird es stärker. Immer öfter bleibt mein Blick nachdenklich auf den abgedeckten Booten liegen, immer öfter schaue ich, was der Wetterbericht kurz-, mittel- und langfristig vorhersagt. Meine Laufstrecke führt jetzt nicht mehr durch den Wald, sondern am See entlang. Und Fragen tauchen auf:
Wo werden die Hechte zu Beginn der Saison stehen? Wie schnell werden die Wasserpflanzen in diesem Jahr wachsen? Hat sich dadurch, dass die Seen bis in den März hinein gefroren waren etwas verändert? Welche Köder werden funktionieren?
Kein Jahr ist wie das andere, die Wasserstände ändern sich jedes Mal, genauso die Temperaturen, die Wolken mit den Futterfischen wandern durch den See. Ich nehme mir vor, das Bild neu zusammen zu setzen und dabei auf die Erfahrung der vergangenen Jahre zurückzugreifen. Hört sich ja gut an, aber was bedeutet das?
Im Jahr 2021 habe ich im Helgasjön einen meiner größten Hechte gefangen, der Hecht hat auf den Salmo Perch in der Farbe Uli Beyer Spezial gebissen, den ich in etwa 3‘5 Meter Tiefe geschleppt habe. Das Wetter ab diesem Tag war außergewöhnlich, es war windig, 4-5 Beaufort und das Wasser hatte eine fast gelbliche Färbung, kaum Sichttiefe. Immer wieder leichte Regenschauer. Ich war an dem Tag keine 2 Stunden auf dem Wasser, eine Rute in der Hand geschleppt und habe 3 Hechte zwischen 95 cm und 118 cm fangen können.
Auf die gleiche Art und Weise habe ich diesen Fang an der Stelle nicht wiederholen können. Der Platz ist vielversprechend. Eine große Bucht mit einer Insel und einer Abbruchkante von 4 auf 10 Meter, hinter der sich ein großes Becken öffnet. Nicht weit entfernt flache Buchten mit Schilf – ein idealer Platz zum Laichen im Frühjahr. Bei aller Variabilität ist das eine Konstante, dort sind die Hechte im Frühjahr, ein Nullpunkt. Viele Hechte sind standorttreu und unternehmen keine ausgedehnten Wanderungen, aber die Fische entfernen sich im Laufe des Jahres natürlich von den Laichbuchten. Man kann sich die möglichen Aufenthaltsorte der Hechte im Laufe des Jahres wie Punkte auf einer Linie auf einem größer werdenden Kreis vorstellen, der sich um die Laichbucht herum ausdehnt und dann in Richtung des Frühjahrs wieder zusammenzieht. Dieses Bild kann helfen, sich vorzustellen, wo sich die Hechte im Laufe des Jahres aufhalten, denn auf dieser Linie finden sich im See die Spots: Inseln, Kanten, Pflanzen, Futteransammlungen usw.
Auf einer topographischen Karte ist einfach zu erkennen, dass die Bucht ein Hot Spot für kapitale Hechte ist, ab und zu sieht man dort ein weiteres Angelboot und das bedeutet für schwedische Verhältnisse bereits einen gewissen Angeldruck. Ein Hecht von über einem Meter, hat hier in seinen 15 – 20 Lebensjahren den einen oder anderen Kunstködern gesehen.
Der Salmo Perch ist ohne Frage ein sehr guter Wobbler, aber er ist nicht neu, er hat ein für einen Hechtwobbler typische Laufverhalten, das viele Hechte schon einmal gesehen haben. Er wirkt für seine 13 cm relativ groß, hat einen schönen flankenden Lauf und verdrängt relativ viel Wasser, so dass die Hechte ihn im trüben Wasser spüren bevor sie ihn sehen.
Der Spot passte, das Wetter ebenso: Die Hechte waren aktiv und ihr Reizschwelle entsprechend niedrig und das Wasser war trübe genug, damit sie den Salmo Perch spontan attackierten, ohne den Köder argwöhnisch zu prüfen bzw. prüfen zu können. Ich bin mir sicher: Wäre das Wasser bei sonst gleichen Bedingungen klar gewesen und die Hechte hätten die Chance gehabt vorsichtig zu sein und den Salmo Perch genauer unter die Lupe genommen – die Fangchance wäre rapide gesunken.
Ich habe an dieser Stelle wieder große Hechte gefangen, auch einige über der Metermarke, aber nicht ohne mir ein paar Gedanken zu machen. Wenn man in etwa weiß, wo sich die Hechte aufhalten könnten, dann sind die Voraussetzung für einen guten Angeltag gegeben. Das Wissen um den möglichen Standplatz großer Hechte ist mit Sicherheit der wichtigste Faktor, um erfolgreich zu sein. Entsprechend ist die Planung, wenn es an ein unbekanntes Gewässer geht extrem wichtig. Durch das Internet und immer besser werdende KI ist die Recherche heute deutlich einfacher geworden und für mich ein fester Teil von jedem Angeltrip der für Spannung und Vorfreude sorgt. Doch am Gewässer zeigt es sich – auch wenn man die Standplätze der Hechte zu kennen glaubt – es funktioniert ähnlich, aber meistens ein bisschen anders als im vorherigen Jahr.
Wenn ich morgen früh laufen gehe, wird das Eis auf dem Toftasjön vielleicht schon angetaut sein. Ich könnte meine Ausrüstung nochmal sortieren und mir im Angelgeschäft noch einmal diese wundervolle Spinnrute ansehen und nicht mehr lang, dann kann ich schon die Boote fertig machen.

